Berliner Fahrradschau – Livebericht

21. März 2016
Von Beate Huss

FLOTTWELL BERLIN Hotel - Berliner Fahrrad-Schau Livebericht 2016

Chris Böhm wärmt sich auf, Zeichnung: Beate Huss

Schwarze Melone, Rührei und Croissant – Fahrradgroupies schreien heißer auf.

Hier im FLOTTWELL BERLIN Hotel frühstückt BMX-Star Chris Böhm – blutjung und trotzdem König of the gesamte Fahrrad-„Wörld“.
Neben Melone auf dem Kopf macht ihn das kunstvoll zerlumpte schwarze T-Shirt gerade mal so beiläufig zur Stilikone. „Das wird kopiert! – Beschlossen!“
Ich sehe mich schon mit der spitzen, kleinen Schere tausend Löcher in das Lieblings-T-Shirt meines Sohnes ritzen. (Oder soll ich es vielleicht ganz stilecht und aus Versehen, durch die scharfe Fahrradkette zerren…?)

FLOTTWELL BERLIN Hotel - Berliner Fahrrad-Schau Livebericht 2016
FLOTTWELL BERLIN Frühstück, Zeichnung: Beate Huss

Wir, die gesamte FLOTTWELL Familie, mit Familie und Familienangehörigen, folgen nach dem gesunden Frühstück in der Lobby Chris Böhm, im Handstand, das alles rückwärts auf dem Fahrradsattel, durch den Park am Gleisdreieck. Wir wabern mit der schlanken Masse durch das Haupttor des stillgelegten Industriehofes ein, der STATION Berlin in der Luckenwalder Straße in Berlin Mitte.
Ich will auch ein Bändchen, das Neongelbe! Es ist die goldene Trophäe, das Accessoire und Mitgliedsausweis dieser Berliner angesagten Fahrrad-Crowd. Vielleicht wirke ich dadurch ein wenig sportlicher. Die Musik ist so jung, die Fahrräder so schlank, die Besucher so laut.
„When Music too loud, Honey!, you are too old“, klärt mich charmant der Geschäftsführer Stephan Kühne des FLOTTWELL BERLIN Hotels auf.
„Na, danke auch!“ denke ich ebenfalls „too loud“ und die goldenen Ringe, äh Profil-Reifen, unter meinen altersschwachen Augen gebieten mir, mich direkt nach diesem Wochenende bei einem Kunst + Fahrradsportverein anzumelden.

All die fetten Muskeln an den durchtrainierten Schenkeln radeln spielerisch über steile Hindernisse aus Beton und schiefen Paletten aus Holz. Keine noch so winzige, klitzekleine Zehenspitze verlässt dabei die Pedale, berührt auf keinen Fall den blanken Boden. Ich bin schwer beeindruckt.
Ein Aufschrei lässt erneut die Hallen beben, als der Chris mit der Melone, der BreakMX-Star auf dem Radl, durch bunte Nebelschwaden, hellerleuchtet, zu den heißen HipHop-Rhythmen Fahrrad dänzt.

„Hoffentlich wird er diese Nacht zum Schlafen kommen“, denke ich voll mütterlicher Fürsorge. Er hat uns nämlich am Vormittag verraten, dass er unser FLOTTWELL BERLIN Hotel ganz super fände, auch wenn er kein Auge geschlossen habe. (Das lag bestimmt nicht an unseren 1A-Betten…)
Hat er vor’m Publikum auf der Warschauer Brücke, im nächtlich lauten Schatten, seine Grooves und virtuosen Attitüden einstudiert? Das werde ich wohl nie erfahren, denn meine Partyzeiten sind schon längst vorbei.