Bpart of Urbane Mitte von Berlin

12. Mai 2019
Von Beate Huss

bpart

Dreiersteckdose - Zeichnung: Beate Huss

Kollaborativ, innovativ und sehr vernetzend führt Daniel* mich durch die modularen Einheiten des BPart Gebäudes, das sich mit seiner natürlichen Holzfassade mitten in den Park am Gleisdreieck gepflanzt hat und seine Äste treibt.

Von Urbaner Mitte und hiper Community war nicht das Geringste zu vermuten, als die Bauherren 2013 intuitiv diesen Platz gewählt hatten, um das FLOTTWELL BERLIN Hotel zu bauen. Eine gähnende Brache riss damals ihr rottes Maul in einem wenig beachtetem Gelände Berlins auf.

Rapide entwickelte sich der Park zu einem belebten Schmelztiegel, der nun um eine Think-Tankstelle für urbane Konzepte Berlins, dem Bpart, erweitert wurde. Damit dieses Projekt genauso beweglich wie der Geist Berlins bleibt, wird es sich auch schon nach circa sechs Jahren des Denkens, Konzipierens und Verlinkens wieder in Luft aufgelöst haben, erklärt mir Daniel in seinem bayrischen Akzent.

Es gibt dort ein Café mit Außenbereich zum Park geöffnet, einen großzügigen Konferenzraum und eine Ausstellungsfläche, die momentan mit städtebaulichen Utopie-Modellen bestückt ist. Ein Sportparcour ist angedacht. Herzstück dieser Gedankenwerkstatt sind die Coworkingspaces in unterschiedlichsten Größen und Preisen, stündlich, täglich oder monatsweise anzumieten.

Ein Raum so groß, wie meine kleine Küche gibt es zum monatlichen Spott-Preis von 2000 Euro und ein-paar-Zerquetschten. Augen zwinkernd teile ich Daniel mit, dass mir mein zu Hause im beschaulichen Mahlsdorf ja auch ein solches Zubrot bieten könnte. Wlan, Dreiersteckdose und ein Apple-Ladekabel wäre bestimmt irgendwo aufzutreiben. Networking mit echten Ostberliner Nachbarn inklusive. Mein Scherz kommt bei dem innovativen Wahlberliner leider gar nicht an.

Ist die Mitte von Berlin einem kalten Herz gewichen? Das frage nicht nur ich mich und heiße Tränen kullern über mein Gesicht.

Die Kreativszene, der wir die Popularität Berlins verdanken, wurde an den Urbanen Rand der Stadt vertrieben. Dort sind die Mieten noch bezahlbar.

Zum Beispiel die der Ateliers eines Hinterhofes im Berliner Wedding, wo eine freie Gedanken-Quelle sprudelt. Künstler, Designer, Mode, Architektur und ein erleuchtetes Gymnastikangebot. Eine echte Community teilt ihre Ideen, der Austausch bleibt dort gratis. Die Wertschöpfung ist idealerweise  fern von Kapital und durchaus auch eine Variante der urbanen Utopie.

Auf dem Weg vom Gleisdreieck dorthin, an der U-Bahnhaltestelle der roten Linie 2, begegnet man Jonas, twentyfourseven Street-Artist aus Stockholm, der auf seiner Cajon hockt und singt . Beim Umsteigen in der Warschauer Straße verwandelt sich die Haltestelle in einen Co-Art-Space im öffentlichen Raum. Eine sieben köpfige Band baut sich im Freien auf. Der Klang durch wummernde Boxen auf dem Pflaster verstärkt das „Knock, Knock, Knockin’ on Heavens Door!“

Hereinspaziert! – der Eintritt auf freier Straße ist Gott und Berlin sei Dank, hier immer noch umsonst!

 

*Name von der Redaktion geändert.