Brothers, Mothers, Sons and Love

28. Februar 2019
Von Beate Huss

mom kettle and son kettle

mom kettle and son kettle - Zeichnung: Beate Huss

Das fancy BRLO BRWHOUSE wirkt auf Hipster wie das Licht auf Motten, bemerkt mein Sohn mit dem ich dort den Eintritt in seine Erwachsenenwelt feiern möchte. In Berlin, auf dem Gelände der „Urbanen Mitte“ zwischen Ost und West des Gleisdreieckparks, steht eine mobile Brauerei. BRLO BRWHOUSE vereint Gastronomie und Braukunst in schwarz-weiß lackierten Überseecontainern, die passend zu dem ungezügelten Freestyle der Hauptstadt als bewegliche Module zusammengebaut wurden.

Am Eingang des Lokals, gesäumt von einem noch verwaisten Biergarten, bekomme ich kurz Zweifel über meine Wahl der Lokalität. Drinnen ist es dunkel, die Wände sind schwarz. Schwarz die Möbel, schwarz der Boden und Neonröhren regnen senkrecht von der Decke. Sie erhellen krude einen hohen Innenraum. Links erheben sich hinter Glas monströse, silberne Kessel und versprechen Braukunst. Rechts gewährt die Küche Einblick in das Treiben und haucht ihren malzigen Atem in die Speisehalle.

Die sauber gefalteten und gestärkten Stoffservietten kontrastieren überraschend mein mütterliches Vorurteil. Auch die freundliche Bedienung, der junge Mann in lässiger Uniform scheint bestens ausgebildet und gelaunt.

Wir wählen aus der Karte jeweils ein mobiles S-Menü, bestehend aus              1 × Gemüse, 1 × Beilagen, 1 × OnTop. Der Sohn bekommt, weil endlich 18, noch ein Stück Filet-Fleisch oben drauf.                                      Selbstverständlich ist das Getränk der Wahl ein selbst gebrautes Bier. Unter vielversprechenden, auf schwarze Tafeln gemalten Namen, wie  BROTHER BROTHER, ROSINENBOMBER oder FUNKY MOTHER, fällt die Wahl auf ein Glas Weizen, genannt MY ASS!

Das wirklich ALLERBESTE Bier, was er jemals getrunken habe, lobt meine jugendliche Begleitung und bestellt begeistert (ich verwundert) noch ein zweites Glas davon.

Nach dem kleinen Imbiss aus eigen gebackenem Brot  werden nun die vielerlei Menüs serviert. Der Anblick der imposant zubereiteten Gerichte ist uns völlig neu. Sie verraten rein gar nichts über ihren Geschmack. Wir müssen uns auf die Knospen unserer Zungen verlassen und werden auch in diesem Falle aufs Positivste überrascht. Eine leicht herbe Note spielt sich durch die Speisen. Hopfen und Malz, Gott erhalt ’s! – Das Brauereihandwerk ist offensichtlich Thema.

Unser Thema aber ist die Liebe. Auch in ihr lauert dieselbe Herbheit hinter süßen Wonnen, enthülle ich dem Sohn mein lang bewahrtes mütterliches Geheimnis zu einem üppigen Dessert aus Topinambur, geteilt durch zwei.

Mit exzellenten Speisen auf den Hips, verabreden wir uns zum Frühlingsanfang im Park am Gleisdreieck direkt vorm FLOTTWELL BERLIN Hotel zum Sport, zum Skaten und zu OH MY GOD! und FUCKIN’ FANCY! Bierchen.