Let Them Eat Money

17. Dezember 2018
Von Beate Huss

FLOTTWELL BERLIN Hotel - Blog-Beitrag - Let them eat money

Let them eat money - Zeichnung: Beate Huss

Das FLOTTWELL BERLIN Hotel liegt im Zentrum einer kulturellen Insel dieser Stadt. Das Deutsche Theater, kurz DT genannt, ist laut BVG in nur 18 Minuten zu erreichen und fünf kurzweilige Gehminuten von der S-Bahn Friedrichstrasse entfernt. Ich freue mich auf den Theater Besuch und erfahre erst auf der Fahrt dorthin den Namen des Stückes:

„Let Them Eat Money“
Ich folge blind meiner Einladung, vertraue der Qualität des Hauses und dem Geschmack der Gönnerin. Es gehe um das bedingungslose Grundeinkommen. Ich bin gespannt, wie der Regisseur Andres Veiel das Thema bearbeitet.
Ich lande zehn Jahre in der Zukunft, im Parkett, links außen. Das Bürgergeld, eine Art Stipendium für Jedermann, hat es in dieser Distopie auch nicht geschafft die Klassengesellschaft auszuhebeln. Bürgerkriegsähnliche Zustände lassen die Schauspieler, alias die angeklagten Parlamentarier, kopfüber von der Theaterdecke baumeln.
Warum? Um den Drahtseilakt bei politischen Durchführungen zu demonstrieren oder um das ausgetrocknete Gehirn der Politiker besser zu durchbluten?,  frage ich mich.
Der anschließende Diskussionsstrom zwischen Publikum, Regisseur, Autorin und man glaubt es kaum, einer echten Links-Parlamentarierin, reißt Gräben auch in mein Gehirn.

Am folgenden Tag spült der Zufall mich in die Lobby des Adlon, der geschichtsträchtigen Premiumherberge mit Fünf-Sterne-Gästen am Bande. Sogar hier ist die Klassenvielfalt gewährleistet, rechnet man mich und meinen Gast mit ein. Wir pegeln das durchschnittliche pro Kopf-Einkommen der Zielgruppe gewaltig in die Tiefen.
Ich lausche dem Gespräch am Nachbartisch. Über den Namen des neuen Pferdes im Stall wird verhandelt. Es soll den Namen Pearl tragen. Wie das Schmuckstück, das den faltigen Hals seiner Trägerin vertuschen möchte? Oder Pearl wie Pearl-Harbour, Dunkerque oder Idomeni?
Ich traue meinen Augen kaum, als die junge Frau, kaum volljährig, neben mir in einem bodenlangen Nerzmantel ertrinkt. „Hilfe!“, schreie ich stumm vor Entsetzen und werfe eine aufblasbare Rettungsinsel über ihren frischgekämmten hohlen Langhaarkopf.

Die Lobby des Adlon wurde vor zwei Jahren für 6 Millionen Euro umgebaut und sieht nachher nicht besser aus als vorher. Plastic Surgery – also nicht nur bei den parfümierten Gemahlinnen, die vergeblich auf die Liebe warten.

Ich denke an den gestrigen Theaterbesuch, die anschließende Diskussion: All diesen duftenden Menschen hier stünde demnach dieselbe monatliche Summe zu, wie einem Obdachlosen? Echt?! Ich beginne zu rechnen, wie viele Pfandflaschen in einen öffentlichen Mülleimer passen und wie oft eine pelzbesetzte Hand in diesen greifen müsste um 600 Euro* Pfand zu erhaschen. Ich denke über diese elegante Variante der zweifelsohne abscheulichen Klassenerhaltung nach. Die Umverteilung der leeren, klebrigen Pfandflaschen als Zahlungsmittel für Reiche, die Bankfiliale wäre dann der öffentliche Mülleimer. Der Discounter prägt die Währung in Essensmarken für abgelaufene Nahrungsmittel…?

„Hallo, meine Dame dort am Tisch! Sie verrennen sich da gewaltig!“, unterbricht der Concierge meine Gedankenwoge und verschanzt sich hinter dem neuerschaffenen Marmorbunkertresenwall.

Bei meinen kalten Berechnungen um solch eine heikle Angelegenheit vermisse ich den offenen Kamin der Lobby des FLOTTWELL BERLIN Hotels. Ebenda höre ich tatsächlich öfters mal ein fröhliches Lachen der im FLOTTWELL BERLIN Hotel arbeitenden Crew. Es scheint dort ein verwandeltes Arbeitsklima zu herrschen. Ich kippe mir bei dieser Erinnerung eine Cola für schlichte SiebenEuroFuffzich, etwas mehr als einem Zehntel meines zukünftigen Einkommens hinter die bedingungslose Binde und wünsche dem Portier vor der hohen Tür des weiten Tores Brandenburg eine Fröhliche Weihnacht!

*(errechnetes bedingungsloses Grundeinkommen für Bürger der europäischen Mitgliedsstaaten)